Anfang März 2020 stiegen die Corona-Zahlen in Köln, dem Rest von Deutschland und großen Teilen der Welt so stark an, dass wir das gesamte Team ins Home Office geschickt haben.

Und in der Zeit, die seitdem vergangen ist, haben wir verdammt viel geschafft. Unter anderem haben wir im Auftrag der Bundesländer das Notruf-App-System nora entwickelt – bestehend aus Mobile App, verteilter Server-Infrastruktur und einer Webanwendung für die Bearbeitung eingehender Notrufe in den Leitstellen. Seit Projektstart im August 2020 hat die Arbeit an nora also beinahe ausnahmslos im Home Office stattgefunden. Eine Mobile App, entstanden mobil, im Café, zu Hause und im Park. Passt doch.

Die Remote-Zusammenarbeit hat so gut funktioniert, dass auch mit zunehmendem Impfschutz und bei wechselhaften Infektionszahlen der Drang, ins Büro zurückzukehren, bei uns nur mäßig ausgeprägt war. Ja, natürlich freuen wir uns, wenn wir uns alle mal wieder “in echt” sehen. Oder gar nicht “mal wieder”, sondern “endlich mal”. Denn einige von uns haben sich bis heute noch nie persönlich – also vor Ort, physisch und in 3D – kennengelernt. Trotzdem arbeiten wir effizient und vertrauensvoll als Team zusammen.

Effizient zusammenarbeiten mit Menschen, die man noch nie getroffen hat? Das geht! #RemoteTeamwork

Wie das geht?

Davon möchten wir in dieser Artikelserie etwas mehr erzählen. Denn wir sind auf Basis unserer Erfahrungen überzeugt davon: Remote Work, Fernarbeit, Telearbeit, Flex-Office, mobiles, verteiltes Arbeiten – völlig egal, wie man es nennt – ist eine noch immer unterschätzte und mit vielen Vorurteilen behaftete Arbeitsform. Für Arbeitsbereiche wie den unseren – also IT und Softwareentwicklung – und fast alle Jobs, die unter den Oberbegriff “Bürojob” fallen, kann effizientes Arbeiten und Teamwork auch dann wunderbar funktionieren, wenn man nicht gemeinsam in einem Gebäude sitzt. Und das verteilte Arbeiten, sei es im Home Office, als mobiles Arbeiten oder als klassischer Telearbeitsplatz, hat so viele Vorteile, dass die Nachteile – natürlich gibt es die auch – es schwer haben, sich Gehör zu verschaffen.

Warum wir remote arbeiten

Den aktuellsten Grund haben wir oben bereits erwähnt, und natürlich hat die Corona-Krise dem Konzept des Home Office einen gewaltigen Schub verschafft.

Auch wenn wir ein Büro in Köln haben, war das Arbeiten von zu Hause aus bei uns aber auch vor der Pandemie schon immer normaler Bestandteil der Firmenkultur.

Das liegt zum Beispiel daran, dass nicht alle unsere Mitarbeiter*innen in Köln und Umgebung wohnen und deshalb schon immer (auch) remote gearbeitet haben. Die Konzepte und Gründe waren da sehr unterschiedlich:

  • Wer weit weg wohnte, kam zum Beispiel einmal im Monat für eine Woche nach Köln und ins Büro. Oder seltener. Oder (so gut wie) gar nicht.
  • Wer zu Hause sein wollte, wenn die Kinder aus der Schule kommen, sparte sich gerne die Fahrt ins und aus dem Büro und arbeitete dann eben von zu Hause aus. Oder fuhr nach einem Vormittag im Büro nach Hause, um dann am späteren Nachmittag nochmal ein oder zwei Stunden von zu Hause aus zu arbeiten, wenn die Kinder versorgt waren.
  • Und wer zwar in erreichbarer Nähe wohnte, sich aber Straßenverkehr oder ÖPNV nicht jeden Tag antun wollte, kam halt nur an ein oder zwei Tagen pro Woche ins gemeinsame Büro.
  • Außerdem sitzt ein ganzes Team schon lange in Pristina im Kosovo, wo es zwar auch ein Büro gibt – aber natürlich weit weg von den Kölner Kolleg*innen sowie dem über mehrere Länder verstreuten restlichen Team.

Arbeitsstrukturen und Firmenkultur waren also schon lange darauf ausgerichtet, dass zumindest ein Teil der Arbeit nicht im Büro in Köln, sondern irgendwo auf der Welt stattgefunden hat. Deshalb hat uns die komplette Schließung des Büros während der harten Corona-Phase auch nicht unvorbereitet getroffen. Die für effiziente Zusammenarbeit aus der Ferne nötige digitale Infrastruktur war schon lange fertig und vor allem erprobt. Damit hatten wir einen deutlichen Erfahrungsvorsprung solchen Unternehmen gegenüber, die in der Corona-Krise in Sachen Telearbeit von 0 auf 100 gehen mussten.

Und wir kannten Vor- und Nachteile des Remote Teamwork bereits ziemlich gut.

Vorteile der verteilten Arbeit im Home Office

Kein Weg ins Büro.

Wer sich den täglichen Weg ins Büro sparen kann, spart gleich dreifach:

  • Zeit
  • Geld
  • CO2

Stau, verspätete Busse, ausfallende Bahnen, Regen auf dem Fahrrad – für viele ist der tägliche Weg zur Arbeit einfach nur Frust und Stress. Home Office kann stattdessen bedeuten: einfach aus dem Bett, an den Frühstückstisch und an den Schreibtisch. (Oder zwischendurch noch eine Runde um den Block oder durch den Park. Meist deutlich entspannter als der Weg ins Büro.)

Ich sehe keinen Sinn darin, hin- und herzufahren, um am Ende doch vor einem Computer zu sitzen.

Felix

Bessere Vereinbarkeit von Job und Familie.

Zu Hause zu sein, wenn die Kinder aus der Schule kommen, ist für viele Eltern ein unschätzbarer Vorteil des Home Office. Was nicht heißt, dass die Kombination aus Arbeit und Kinderbetreuung nicht auch zu Hause stressig sein kann. Je nachdem, wie alt die Kinder sind, sogar sehr. Damit das funktioniert, gehören neben dem reinen Vor-Ort-Sein auch ein wenig Orga und die entsprechende Akzeptanz im Unternehmen dazu. Aber darauf kommen wir im weiteren Verlauf der Artikelserie nochmal zu sprechen.

Mehr Flexibilität.

Auch wer keine Kinder zu betreuen hat, freut sich in der Regel über mehr Flexibilität für seinen Arbeitsalltag. Die Schornsteinfegerin oder den Heizungsinstallateur reinlassen? Ein wichtiges Paket persönlich entgegennehmen? Zwischendurch die Katze füttern oder mit dem Hund spazierengehen? Oder dem Nachbarn beim Herauftragen des Einkaufs in den vierten Stock helfen? Kein Problem.

Zugegeben: Wenn man von morgens bis abends in (Online-)Meetings sitzt, wirkt Remote Work vielleicht nur mäßig flexibler als die Dauer-Anwesenheit im Büro. Aber selbst dafür lassen sich Lösungen finden. Zu unseren täglichen StandUp-Meetings kommen beispielsweise immer mal wieder Kolleg*innen aus dem Zug, aus dem Auto, aus dem Gästezimmer der Schwiegereltern, von der Parkbank oder sogar vom Campingplatz dazu. Die Unabhängigkeit, die dadurch entsteht, nicht mehr jeden Tag den ganzen Tag an einem speziellen Ort anwesend sein zu müssen, erhöht die individuelle Flexibilität deutlich.

Remote Arbeiten bedeutet flexibler arbeiten. Wenn es statt dem heimischen Schreibtisch auch mal die Parkbank sein kann. #RemoteWork #MobilesArbeiten

Flexiblere Arbeitszeiten.

Gehört genau genommen zum Thema “mehr Flexibilität” dazu, hat aber seine eigenen Vorteile. Insbesondere für Menschen, die ihren eigenen Rhythmus haben. Wer gerne früh am Morgen oder lieber spätabends arbeitet, hat mit normalen Büro-Tagen so seine Probleme. Im Home Office lässt sich die Arbeitszeit individueller einrichten – sofern die Arbeitsorganisation im Team das zulässt, versteht sich.

Flexibel arbeiten statt däumchendrehend Stunden absitzen. Wie Remote Work die Produktivität erhöhen kann. #RemoteWork #Produktivität #HomeOffice #FlexibelArbeiten

Was man gerne übersieht: Flexiblere Arbeitszeiten sind nicht nur für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, sondern auch für Arbeitgeber*innen von Vorteil. Denn wer seine Arbeitszeiten mitgestalten kann, passt sie meist seiner individuellen Produktivität an. Das Ergebnis sind deutlich mehr produktive Zeiten, weil niemand mehr däumchendrehend Stunden absitzt, nur um die Arbeitszeitanforderungen des Unternehmens zu erfüllen.

Es gibt Tage, an denen arbeite ich nur sechs Stunden, an anderen zehn oder mehr. Je nachdem, was gerade los ist oder wie gerade meine geistige Kapazität ist. Das flexibel zu handhaben, ist im Home Office viel einfacher.
Dabei bringen ja die Tage nichts, an denen man nach sechs Stunden total durch ist, aber noch zwei Stunden im Büro abhängt, aber nichts mehr produziert – bloß weil halt noch zwei Stunden fehlen.

Clemens

Mehr Individualität.

Natürlich gehört zu erfolgreichem Teamwork dazu, sich auch auf gemeinsame Standards und Routinen einzulassen. Solange die gemeinsame Basis stimmt, ist es aber der Mitarbeiter-Zufriedenheit durchaus zuträglich, wenn man auch bei der Arbeit seine Eigenheiten und Vorlieben ausleben kann.

Mia braucht laute Musik auf den Ohren, um kreative Ideen zu haben?
Ein Mittagsschlaf ist Voraussetzung dafür, dass Vincent acht Stunden produktiv sein kann?
Am besten arbeitet Marsellus mit der Katze auf dem Schoß?
Yolanda mag es besonders warm im Büro, am liebsten mit den Füßen in den gefütterten Einhorn-Pantoffeln?
Ohne den Patchouli-Duft aus der Duftlampe braucht Jules gar nicht erst versuchen, sortiert zu denken?

Klar, viel davon ließe sich auch im gemeinsamen Büro umsetzen – mit Kopfhörern, Schlafsofa oder Einzelbüro. Deutlich einfacher und flexibler geht das Ganze aber, wenn jede*r Mitarbeiter*in selber bestimmen kann, wo er*sie arbeitet. Denn das Wo bestimmt ja auch das Wie entscheidend mit.

Größerer Mitarbeiterpool.

Nicht nur für die Mitarbeiter*innen selbst, auch für den Arbeitgeber hat Remote Work enorme Vorteile. Denn der verfügbare Pool an potenziellen Bewerbern und Bewerberinnen erhöht sich schlagartig um ein Vielfaches, wenn man diese ortsunabhängig suchen kann. Die beste React-Native-Entwicklerin für den Job sitzt nicht in Köln, sondern in München? Oder in Madrid? Wenn das Team online zusammenarbeitet, spielt das keine Rolle.

Der einzige Kollege, den wir einmal wegen seines Wohnorts nicht eingestellt haben, lebte in Neuseeland. Da machten die entgegengesetzten Zeitzonen für die geplante Rolle eine Zusammenarbeit einfach zu kompliziert.

Irgendwo ist immer Arbeitszeit.

Für uns passte das zeitversetzte Arbeiten in diesem Fall nicht in unsere Arbeitsabläufe. Je nach Rolle kann das aber auch anders aussehen. Und falls weniger gleichzeitiges Arbeiten erforderlich oder gewollt ist, sondern die Arbeit stattdessen zum Beispiel über hintereinandergeschaltete Review-Prozesse aufeinander aufbaut, können unterschiedliche Zeitzonen sogar von Vorteil sein und die Arbeit beschleunigen: Während der Mitarbeiter in Köln in den Feierabend geht, überarbeitet die Kollegin in Seattle seine Arbeitsergebnisse, und er kann am nächsten Morgen direkt auf dem ergänzten Stand aufbauen.

Besonders hilfreich sind über die ganze Welt verteilte Teams, wenn etwa Support-Hotlines jeden Tag und 24 Stunden am Tag besetzt sein müssen. Verteilt platzierte Teams kommen dann nämlich ganz ohne Nachtschichten aus – und auch an Feiertagen muss niemand mehr Sonderschichten einlegen. Denn wenn es irgendwo einen Kollegen gibt, in dessen Kultur Weihnachten keine Rolle spielt, der aber dafür gerne am Zuckerfest Zeit mit seiner Familie verbringt, dann weiß die Kollegin in Köln den Support gut versorgt, während sie unter dem Weihnachtsbaum sitzt, und er kann ein paar Monate später ganz in Ruhe das Ende des Ramadan feiern.

Bei über die ganze Welt verteilten Teams ist immer jemand am Arbeitsplatz – ganz ohne Nachtschichten und Feiertagsarbeit. #RemoteWork #VerteilteTeams

Mitarbeiter*innen länger halten.

Manchmal wird ein Job einfach langweilig, man will sich inhaltlich verändern oder sucht einfach eine neue Herausforderung. Von solchen Entwicklungsschritten mal abgesehen, gibt es mit Remote Work aber kaum noch Gründe für Mitarbeiter*innen, ein Unternehmen zu verlassen. Und das ist für das Unternehmen ein großer Gewinn. Denn in der Regel hat man nicht nur in den Wissens- und Erfahrungsaufbau der Mitarbeiter*innen viel investiert, man hat sich auch aneinander gewöhnt, aufeinander eingestellt und ist ein eingespieltes Team. Wenn etwa der langjährige Entwicklungschef in eine andere Stadt zieht, weil seine Partnerin dort einen neuen Job angeboten bekommen hat, kann das ein herber Verlust für das Unternehmen sein. Im Rahmen von Remote Work fällt dieser extern motivierte Grund, das Unternehmen zu verlassen, einfach weg und der Kollege kann umziehen, wohin er will, ohne dass es große Auswirkungen auf seine Arbeit hat.

Geringere Fixkosten.

Wer für 45 Mitarbeiter*innen Büroplätze vorhalten muss, braucht einiges an Fläche. Von Strom, Heizung, Wasser, Reinigungskosten und anderen laufenden Kosten mal ganz abgesehen. Wenn ein kleineres Büro ausreicht, in dem vielleicht 20 Kollegen und Kolleginnen dauerhaft Platz haben, reduziert das die Fixkosten spürbar.

Vernünftige Arbeitsausstattung für das Heimbüro

Übrigens: Wer Fixkosten im zentralen Büro spart, kann es sich erst Recht leisten, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für ihr Home Office eine vernünftige Arbeitsausstattung zur Verfügung zu stellen – vom Monitor über den Kopfhörer bis zum ergonomischen Schreibtischstuhl. Das rechnet sich doppelt und dreifach, denn wer einen zuverlässig funktionierenden und ergonomischen Arbeitsplatz hat, arbeitet effizienter. Und damit zufriedener – und auch gesünder, was wiederum Krankentage reduziert.

Zufriedenere Mitarbeiter*innen.

Apropos zufrieden. Unserer Erfahrung nach macht Remote Work die meisten Kolleginnen und Kollegen deutlich zufriedener. Vor allem dann, wenn sie das konkrete Modell und die Aufteilung flexibel und nach den eigenen Vorstellungen gestalten können.

Denn es muss ja auch nicht immer alles nach dem gleichen Schema ablaufen. Für viele ist zum Beispiel hybrides Arbeiten die Lösung der Wahl: mit einem Anteil Home Office und einem Anteil Präsenzzeit im Büro. Wie das perfekte Arbeitsmodell aussieht, kann nicht nur von Firma zu Firma, sondern auch von Kollege zu Kollegin und von Team zu Team sehr unterschiedlich aussehen. Und sich im Zweifel auch phasenweise ändern.

Zu den größten Vorteilen gehört, dass wir ortsunabhängig wurden. So konnten wir uns aussuchen, wo und wie wir leben möchten, und das empfinde ich als ausgesprochenen Luxus und ein großes Privileg.

Ute

Die eine braucht vielleicht drei Tage pro Woche im Büro, damit ihr nicht die Decke auf den Kopf fällt – nutzt aber die vergleichsweise ruhigere Arbeitsatmosphäre zu Hause an den übrigen zwei Tagen dafür, ganz in Ruhe an Konzepten zu feilen. Der nächste freut sich, dass er montags und dienstags die Kinder aus dem Kindergarten abholen kann, während die Partnerin es den Rest der Woche tut. Und wieder andere machen gleich ausgiebige Reisepläne.

Horizonterweiterung inklusive.

Im Sommer vier Wochen in Norwegen leben und arbeiten – und am Ende noch eine Woche Urlaub dranhängen? Den Winter in Andalusien und Portugal verbringen? Oder gar alle paar Wochen den Wohnort wechseln? Alles möglich, wenn man sein Büro einfach mitnehmen kann.

Sommer an der Nordsee, Winter in Andalusien. Können sich nur Rentner leisten? Mit Remote Work lassen sich Reisen, Urlaub und Arbeit perfekt miteinander verknüpfen. #RemoteWork #Workation #MobilesArbeiten

Im Rahmen von Remote Work sind selbst längere Reisen oder Auslandsaufenthalte möglich, ohne den Arbeitsplatz sausen zu lassen. Damit wird zum Beispiel ein Konzept umsetzbar, das die scharfe Trennung von Urlaub und Arbeit beiseite räumt: die Workation.

Wer möchte nicht gerne vier Wochen am Meer verbringen, aber nur fünf Urlaubstage dafür verwenden? Wer am Urlaubsort arbeitet und nur vereinzelte Tage oder vielleicht mal eine Woche komplett freinimmt, kann sich deutlich längere Abwesenheiten erlauben. Und lernt den (Urlaubs-)Ort dabei gleich ganz anders kennen. Denn vor Ort zu arbeiten bringt völlig andere Erlebnisse und Einsichten mit sich als das klassische Touri-Programm. Und für den Strandspaziergang bei Sonnenuntergang bleibt ja selbst nach einem langen Arbeitstag noch Zeit.

Sowohl für Arbeitnehmer*innen als auch für das Unternehmen ist die Horizonterweiterung, die Workations oder andere flexible Wohn-, Arbeits- und Urlaubsmodelle mit sich bringen, ein unschätzbarer Vorteil.

Individuell gestaltbar.

Aber Achtung: Natürlich ist das Arbeiten vom heimischen Büro aus nicht für jeden dauerhaft die große Erfüllung. Deshalb ist die entscheidende Voraussetzung für ein langfristig erfolgreiches Konzept die, dass sich das Arbeitsmodell nach den eigenen Vorstellungen gestalten lässt. Wer den persönlichen Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen und die Gespräche auf dem Büroflur braucht, um sich nicht isoliert zu fühlen, freut sich selbstverständlich, wenn zumindest die Option auf direkten Büroanschluss besteht – ob durchgehend oder in alternierenden Modellen.

Denn natürlich hat Remote Work auch Nachteile.

Nachteile der verteilten Arbeit im Home Office

Kein Weg ins Büro.

Moment, hatten wir das oben nicht unter den Vorteilen stehen? Richtig, hatten wir. Und die meisten werden den Wegfall des täglichen Wegs zur Arbeit wohl auch unter die Vorteile zählen. Wer die Wohnung zum Arbeiten nicht mehr verlassen muss, läuft aber auch Gefahr, in selbiger zu versauern und gar nicht mehr aus der Tür zu kommen. Wege bedeuten immer auch Bewegung, Erlebnisse, Neues oder zumindest – selbst wenn man sich nur ins Auto setzt – Veränderung. Denn mit dem Weg zur Arbeit wird ja auch ein klarer Übergang zwischen Freizeit und Arbeit geschaffen. Womit wir direkt beim nächsten Nachteil wären.

Dass der Weg ins Büro wegfällt, ist gleichzeitig Vorteil und Nachteil des Arbeitens im Home Office. #RemoteWork #HomeOffice #MobilesArbeiten

Verschwimmende Grenzen.

Wer das Haus für die Arbeit nicht mehr verlässt, dem fällt es häufig schwer, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen. Wenn dann auch noch Nachrichten des Teams auf dem Handy landen und man womöglich auch noch Kolleg*innen hat, die gerne bis spät in die Nacht arbeiten, ist viel Selbstdisziplin gefragt, um trotz der Dauererreichbarkeit noch einen Feierabend zu haben, der diesen Namen auch verdient. Natürlich ist es toll, wenn man in akuten Krisensituationen schnell mal eben das Notebook anwerfen und abends um elf noch ein Problem lösen kann. So etwas sollte allerdings nicht zur Gewohnheit werden.

Umfragen zeigen, dass die meisten Menschen im Corona-Home-Office eher mehr gearbeitet haben als vorher. Das liegt vor allem daran, dass der Absprung nicht so klar definiert ist. Hier braucht es also gute Organisation und vor allem Eigenverantwortung und Selbstdisziplin, damit aus Remote Work nicht Never-ending Work wird.

Die Verantwortung dafür komplett an die Mitarbeiter*innen abzugeben, ist aber auch keine Lösung. Deshalb müssen auch Führungskräfte und Geschäftsleitung für das Thema sensibel sein, aktiv werden gegen Überforderung und Dauer-Überstunden und auch als gutes Beispiel vorangehen.

Mehr Zeit alleine.

Ja, wer im Home Office sitzt, verbringt mehr Zeit alleine. Je nach Wohn- und Lebenssituation kann das einsam machen. Wenn die Teamstrukturen trotzdem funktionieren, lässt sich dieser Effekt aber auch abmildern. Denn wenn man seine Kolleg*innen trotzdem regelmäßig sieht und spricht – auch wenn es nur über den Bildschirm ist –, muss man sich nicht zwangsläufig einsam fühlen.

An einem Tag komplett ohne jeden Videocall mit Kolleg*innen fühle ich mich schnell mal sehr abgeschnitten, auch wenn wir natürlich unser tägliches Standup haben. Es fehlt die Dynamik.

Ute

Der fehlende direkte Kontakt zu anderen Menschen ist aber ganz zweifellos der größte Nachteil an Remote Work. Für manche ist der schwerwiegender als für andere. Dass das Arbeiten von zu Hause eine Option und keine Pflicht ist, ist gerade für die langfristige Akzeptanz deshalb sicherlich von entscheidender Bedeutung.

Veränderte Kommunikation.

Hier steht bewusst nicht “Weniger Kommunikation”. Denn ob die Kommunikation tatsächlich weniger wird, hängt viel von Unternehmenskultur und Infrastruktur ab. Ja, man kann im Home Office nicht mal eben in der Kaffeeküche über den Urlaub sprechen. Trotzdem kann man aber auch virtuell miteinander kommunizieren – und sogar Platz für Small Talk schaffen. Wie wir das in der bevuta umsetzen, davon erzählen wir im zweiten Teil dieser Artikel-Serie.

Weniger Kontrolle.

Wenn die Chefin das Team nicht mehr ständig sehen kann, geht gefühlt einiges an Kontrolle verloren. Ja, für Remote Teamwork braucht es auch Vertrauen.

Aber ganz ehrlich – eigentlich braucht diesen Punkt kein Mensch. Wir haben ihn trotzdem mal unter den potenziellen Nachteilen aufgelistet, weil er für viele Arbeitgeber ein Grund ist, dem mobilen Arbeiten skeptisch gegenüberzustehen. Wer engagierte Mitarbeiter*innen mit spannenden Aufgaben betraut und ihnen eine angenehme Arbeitsumgebung in einem funktionierenden Team bietet, braucht aber eigentlich kaum Kontrolle. Und es ist ja nicht so, als wäre es beim mobilen Arbeiten unmöglich, einen Überblick über die Leistungen der Mitarbeiter*innen zu behalten.

Wenn Dinge nur noch mit Kontrolle funktionieren, läuft irgendwas schief. Das Ideal ist ja schon, dass man gerne arbeitet, weil man seine Arbeit mag, und die Arbeit einem auch was gibt.

Clemens

Bei der bevuta haben wir schon immer nach der Maxime gelebt/gearbeitet, dass das Arbeitsergebnis zählt, nicht die gearbeitete Zeit. Sich mit den Arbeitsergebnissen einzelner Mitarbeiter*innen oder eines Teams auseinanderzusetzen, funktioniert online genauso gut wie vor Ort im Büro. Und ob man nun tatsächlich kontrollieren muss, wie lange ein*e Mitarbeiter*in vor dem Bildschirm gesessen hat….? Wir bezweifeln das. Schließlich kann man auch im Büro vor dem Bildschirm sitzend erschreckend unproduktiv sein.

Produktivitätsmesser Anwesenheit? Auch im Büro vor dem Bildschirm sitzend kann man erschreckend unproduktiv sein. #RemoteWork #HomeOffice #MobilesArbeiten

Wer länger arbeitet, leistet mehr?

Zu viel Kontrolle kann sogar das Gegenteil bewirken. Sie kann zum Beispiel Phänomene wie Präsentismus fördern, also dafür sorgen, dass Mitarbeiter*innen krank zur Arbeit kommen. Oder sich lange im Büro aufhalten, obwohl sie eigentlich in kürzerer Zeit mit der Arbeit fertig sein könnten.

Wer macht wohl den besseren Job? Person A, die eine übertragene Aufgabe in 6 Stunden erledigt hat, oder Person B, die für die gleiche Aufgabe 10 Stunden braucht – ohne dass dadurch die Qualität besser wird?

Vermutlich sind wir uns einig, dass Person A ihre Aufgabe besser, weil effizienter erfüllt hat. Tatsächlich fördern aber viele Unternehmen Kultur B – am meisten gewürdigt und als besonderes Engagement geschätzt werden vor allem lange Anwesenheiten. Wodurch zum Beispiel Eltern, die in Teilzeit arbeiten, um sich um ihre Kinder kümmern zu können, strukturell benachteiligt werden (Autorin Arlie Russell Hochschild geht diesem Phänomen in ihrem Buch “Keine Zeit” sehr ausführlich nach).

Und wie funktioniert das nun konkret?

Das Arbeiten in vielen weit verstreuten Home Offices hat jede Menge Vorteile – und auch ein paar Nachteile. Letztere lassen sich aber mit der richtigen Einstellung, einer konstruktiven Unternehmenskultur und einer funktionierenden Infrastruktur auf ein Minimum reduzieren. Wie wir das in der bevuta konkret umgesetzt haben, davon erzählen wir in den beiden folgenden Teilen dieser Artikelserie: Wie arbeiten wir als Team im Home Office zusammen? Und: Welche Software setzen wir dafür ein?